DEBÜTS. DER ERSTE ROMAN

Idee & Konzeption: Judith Zwick

Liebes Lesepublikum,

zum zweiten Mal dürfen wir Ihnen die grenzüberschreitende Reihe DEBÜTS. DER ERSTE ROMAN präsentieren. Erneut laden wir Sie ein – einen November lang – Debütromane gemeinsam mit uns zu lesen. Wieder einmal haben wir Büchermenschen und Lesepartner dazu gewinnen können, Ihnen eine kleine Auswahl an Debütromanen vorzustellen.

Dieses Jahr hat es allen und besonders den neuen Autorinnen und Autoren schwer gemacht. Aber auch uns Veranstaltern. Doch das Glück lauert nicht selten um die Ecke. Und so sind wir überaus dankbar und glücklich, einen zusätzlichen Kooperationspartner gefunden zu haben, der die Kultur nicht nur im Namen trägt, sondern unsere (noch) kleine Reihe tat- und wortkräftig unterstützt. Dank dem Onlinemagazin thurgaukultur.ch  können wir Ihnen trotz reduzierter Fördergelder und ungewissem Veranstaltungswinter ein Programm anbieten, das sowohl Live-Angebote als auch digitale Formate umfasst und Ihnen das ein oder andere Romandebüt damit einfach frei Haus liefern.

Besuchen Sie uns, schalten Sie sich zu, lesen Sie rein und bleiben Sie vor allem gesund!

DANKE allen Förderern: Kulturamt Konstanz, Literaturhaus Thurgau, thurgaukultur.ch, Buchhandlung Homburger und Hepp.




PROGRAMMFLYER


Für alle Live-Veranstaltungen gilt ein strenges Hygienekonzept und Abstandsregelungen werden eingehalten. Zudem gilt eine stark reduzierte Gästezahl und Ihre Kontaktdaten werden erhoben und für vier Wochen aufbewahrt. Die Dauer der Veranstaltungen begrenzen wir auf ca. 60 Minuten. Das Tragen einer Maske im Kulturzentrum Konstanz ist erforderlich, bis Sie Ihren Sitzplatz im Wolkensteinsaal eingenommen haben.

12. NOV. 2020, 19:30 Uhr | Kulturzentrum am Münster Konstanz

»Monster wie wir« von Ulrike Almut Sandig
Moderation: Judith Zwick

Ruth spielt Geige und hat Angst vor Vampiren. Sie wächst in einem Pfarrhaus in der ostdeutschen Pampa auf. Aber Gott ist kein Parteisekretär, um dessen Schutz man buhlen könnte. Ihr bester Freund Viktor hat einen Mondglobus und Falten im Gesicht. Er fürchtet sich nur vor seinem Scheißschwager. Aber dann findet er diesen Schalter in seinem Kopf, um rein gar nichts zu empfinden. Und wird selbst zum Fürchten.
Was Gewalt bedeutet, wissen sie beide. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt, hilft man sich am besten selbst. Viktor macht jeden Tag Sit-ups und rasiert sich eine Glatze. Dass einer wie er als Au-Pair nach Frankreich geht, versteht niemand. Doch für Viktor ist es überall besser als zu Hause. Und Ruth? Die flüchtet sich ins Geigenspiel.
Wohin es die beiden auch verschlägt, überall werden sie von Gewalt eingeholt. Wann also schaut Ruth von ihrer Geige auf? Und vor allem: Wie rettet man einander?

Monster wie wir ist der erste Roman der gefeierten Dichterin und Klangkünstlerin Ulrike Almut Sandig. In funkelnder Prosa voll harter Beats schildert sie ihre Generation, geprägt von Um- und Aufbruch, von Identitätsverlust und der Suche nach Selbstbestimmung.

© Michael Aust, Villa Concordia

Ulrike Almut Sandig wurde in Großenhain geboren. Bisher erschienen von ihr vier Gedichtbände, drei Hörbücher, zwei Erzählungsbände, ein Musikalbum mit ihrer Poetry-Band Landschaft sowie zahlreiche Hörspiele. Ihre Gedichte wurden verfilmt und übersetzt, für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise. Zuletzt wurde sie 2017 mit dem Literaturpreis Text & Sprache des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet, 2018 mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

reduzierte Gästezahl im Wolkensteinsaal mit großen Abständen zwischen den Stühlen!

RESERVIERUNGEN: judithzwick@gmx.de
Eintritt: Kollekte


19. NOV. 2020, 19:30 Uhr | Livestream auf Thurgaukultur
(www.facebook.com/thurgaukultur.ch)

»Flussgeboren« von Julia Langkau – MANUSKRIPT-LESUNG
Moderation: Michael Lünstroth

JULIA LANGKAU ist Philosophin und Autorin und beschäftigt sich derzeit mit der Frage, was die Natur literarischer Erfahrungen ist. Sie studierte und forschte in Zürich, St Andrews, Konstanz, Miami und Fribourg. 2020 erhielt sie einen Förderbeitrag des Kulturamts Thurgau zur Arbeit an ihrem zweiten Romanmanuskript.

Und darum geht es in Ihrem Roman: Eine junge Frau ist aus ihrem Elternhaus ausgezogen und
erlebt ihren ersten Sommer alleine in einer fremden Stadt. Sie lässt sich auf eine Beziehung mit einem Mann ein, den sie kaum kennt. Als sie beginnt, sich an ihn zu binden, kommt er eines Tages nicht wieder. 20 Jahre später macht sie sich auf die Suche nach dieser ersten Liebe und findet ihn in Miami, wo ihm das Leben mit seiner Frau und seinen fast erwachsenen Kindern eintönig geworden ist. Sie steht vor der Entscheidung, mit ihm ein neues Leben zu beginnen oder nach Bern zurückzukehren, wo sie eigentlich glücklich ist. Kann sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen? Welche Rolle spielen dabei ihre Kindheit, ihre Vorbilder und die Gesellschaft, in die sie ineingeboren ist.


26. NOV. 2020, 19:30 Uhr | Literaturhaus Thurgau in Gottlieben

»Elbwärts« von Thilo Krause
Moderation: Judith Zwick

Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch mit einer neuen Fremdheit. Der Erzähler erinnert sich: an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor. An den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Versuch der Heimkehr in ein fremdgewordenes Land. Es gibt nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, es gibt auch das Sommercamp der Neonazis, und am Misstrauen des Dorfes droht auch das Paar zu scheitern. Ein intensiver Roman über unser Land und unsere Zeit.

THILO KRAUSE, geboren in Dresden, lebt und arbeitet in Zürich. Seit 2005 veröffentlicht er literarische Texte in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien. Für seine Gedichte wurde Thilo Krause 2012 mit dem Schweizer Literaturpreis, 2016 mit dem Clemens-Brentano-Preis sowie vielen weiteren Preisen ausgezeichnet. 2020 erschien sein Romandebüt bei Hanser und erhielt den Robert Walser-Preis.

© Peter-Andreas Hassiepen

RESERVIERUNGEN: sekretariat@bodmanhaus.ch
Eintritt: CHF 10 / 8 (ermässigt für Freunde des Bodmanhauses)


WEITERE ROMANDEBÜTS

An vier Sonntagen im November stellen wir Ihnen weitere Debütromane vor: einfach QR-Code scannen & lesen & hören & sehen.

8.11.20


Die Autorin TABEA STEINER schreibt
über »Roter Affe« von Kaśka Bryla


Residenz Verlag. Wien/Salzburg 2020

15.11.20


Die Buchhändlerin MARIANNE SAX
präsentiert »Siebenmeilenstiefel« von
Simon Deckert (Rotpunktverlag 2020)
und »Drei Leben lang« von Felicitas
Korn (Kampa Verlag 2020).

22.11.20


Der Literatur- und Kulturwissenschaftler ÖZKAN EZLI denkt nach über »Streulicht« vonDeniz Ohde

Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2020


29.11.20


Die Journalistin BETTINA SCHNERR bespricht das »Buch der geträumten Inseln« von Lukas Maisel.

Rowohlt Verlag. Hamburg/Berlin 2020


DEBÜT-PROGRAM 2019

Das Tagblatt hat über die neue Reihe berichtet. Den Artikel lesen Sie hier.

7. NOV. 2019, 20 Uhr | Bodmannhaus Gottlieben (CH)
»Hundesohn« von Sonja M. Schultz

Es ist die Geschichte von Hawk, der in einer Provinzkneipe irgendwo in Norddeutschland beim Bier sitzt, als sein roter Alfa Romeo in Flammen aufgeht, das Einzige, was ihm aus seinem früheren Leben geblieben ist. Nach Jahren im Knast und einer gescheiterten Liebe hatte er dem verteufelten Hamburger Kiez den Rücken gekehrt. Endlich ein normales Leben, endlich raus aus dem Milieu. Doch irgendjemand ist ihm jetzt auf den Fersen. Während Hawks Suche nach seinem Verfolger immer blindwütiger wird, holen ihn die eigenen Abgründe ein. Die Autorin erzählt eine Milieugeschichte von der Nachkriegszeit bis Ende der 1980er Jahre und entwirft ein Drama um vererbte Wut, Schuld und den Wunsch, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen.

Sonja M. Schultz, geboren 1975, wuchs im Hamburger Umland auf und studierte Theaterwissenschaften und Kulturelle Kommunikation in ihrer Wahlheimat Berlin. Sie schreibt über Film und Geschichte und tritt mit Spoken Word auf. Bei kampa erschien ihr Debüt 2019.

VERANSTALTUNGSORT: Bodmanhaus, Am Dorfplatz 1, Gottlieben


13. NOV, 20 Uhr | Homburger&Hepp, Konstanz (D)
»Babel« von Kenah Cusanit

1913, unweit von Bagdad. Der Archäologe Robert Koldewey leidet ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: die Ausgrabung Babylons. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich gerade ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Wie ein Getriebener dokumentiert Koldewey deshalb die mesopotamischen Schätze am Euphrat; Stein für Stein legt er die Wiege der Zivilisation frei – und das Fundament des Abendlandes. Kenah Cusanits erster Roman ist Abenteuer- und Zeitgeschichte zugleich.

Kenah Cusanit, geboren 1979, lebt in Berlin. Für ihre Essays und Gedichte wurde die Altorientalistin und Ethnologin bereits mehrfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschien ihr Debütroman Babel (2019).

VERANSTALTUNGSORT: Homburger & Hepp, Münsterplatz 7, Konstanz


19. NOV, 20 Uhr | Kult-X, Kreuzlingen (CH)
»Der Sommer im Garten meiner Mutter« von Ariela Sarbacher

MANUSKRIPT- LESUNG

Es ist ein vier Wochen langer kurzer Sommer, in dem Mutter und Tochter sich voneinander verabschieden. Die Tochter Francesca ist Schauspielerin und gewohnt, auf der Bühne verschiedene Rollen zu spielen. Konfrontiert mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit der Mutter, beginnt sie in die Geschichte ein- und abzutauchen. Es ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, geprägt vom Leben in zwei Kulturen. Der Wunsch der Mutter, in dem Land selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen, in das sie vor über fünfzig Jahren emigrierte, wird zu einem Erinnerungstrichter. Ariela Sarbacher liest aus ihrem Manuskript, das parallel lektoriert wird und gewährt uns Einblicke in die Entstehung eines Debüts. 2020 präsentieren wir Ihnen natürlich auch die Buchpremiere.

Ariela Sarbacher, geboren 1965, lebt und arbeitet nach einer Schauspielausbildung und verschiedenen Bühnenengagements als freie Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und Präsenztrainerin in Zürich. Sie übersetzt Gedichte, schreibt für ihren Blog Stadternte und ist Stimme bei zahlreichen Lesungen.

VERANSTALTUNGSORT: Kult-X, Hafenstraße 8, Kreuzlingen

28. Nov, 20 Uhr | Stadtbibliothek Konstanz (D)
»Der letzte meiner Art« von Lukas Linder

Alfred ist der jüngste Nachfahre der von Ärmels, doch die glanzvollen Zeiten der Familie sind vorbei. Neben seiner umschwärmten, aber abgedrehten Mutter, seinem genialen Bruder und seinem kauzigen Vater fühlt er sich wie eine Karikatur. Trotzdem hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine alteingesessene Familie zu neuem Ruhm zu führen. Ein Held möchte er werden. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten: Er könnte, wie sein Vorbild und Namensvetter, vierzig Franzosen erschlagen, einen Gesangswettbewerb gewinnen oder zusammen mit Ruth ein Hotel aufmachen, denn ja, die Liebe siegt immer! Doch ist Alfred wirklich zum Helden geboren? Lukas Linder entwirft einen tragikomischen Antihelden in einem abseitig unterhaltsamen Debüt.

Lukas Linder, geboren 1984 im Kanton Zürich, studierte Germanistik und Philosophie in Basel. Er ist Dramatiker, schrieb unter anderem für das Theater Basel und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Kleist-Förderpreis und dem Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts. Sein Romandebüt erschien bei KEIN & ABER 2018.

VERANSTALTUNGSORT: Stadtbibliothek Konstanz, Wessenbergstraße 39 – 43