DEBÜTS. DER ERSTE ROMAN

Eine grenzüberschreitende Veranstaltungsreihe
Idee & Konzeption: Judith Zwick

„Und dann stand da mein Name drauf. Ich kann’s immer noch nicht glauben.
Ein ähnliches Gefühl dürfte ein Lottogewinner haben.“  
Arnold Stadler 

Programm 2020

Das Programm wird aus Corona-Kostengründen in diesem Jahr leider kleiner ausfallen müssen – wir sind noch am Tüfteln. Detaillierte Infos folgen in Kürze. Zwei Lesungen stehen aber schon fest:

12. NOV. 2020, 19:30 Uhr | Kulturzentrum am Münster Konstanz (DL)
»Monster wie wir« von Ulrike Almut Sandig

Ruth spielt Geige und hat Angst vor Vampiren. Sie wächst in einem Pfarrhaus in der ostdeutschen Pampa auf. Aber Gott ist kein Parteisekretär, um dessen Schutz man buhlen könnte. Ihr bester Freund Viktor hat einen Mondglobus und Falten im Gesicht. Er fürchtet sich nur vor seinem Scheißschwager. Aber dann findet er diesen Schalter in seinem Kopf, um rein gar nichts zu empfinden. Und wird selbst zum Fürchten.
Was Gewalt bedeutet, wissen sie beide. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt, hilft man sich am besten selbst. Viktor macht jeden Tag Sit-ups und rasiert sich eine Glatze. Dass einer wie er als Au-Pair nach Frankreich geht, versteht niemand. Doch für Viktor ist es überall besser als zu Hause. Und Ruth? Die flüchtet sich ins Geigenspiel.
Wohin es die beiden auch verschlägt, überall werden sie von Gewalt eingeholt. Wann also schaut Ruth von ihrer Geige auf? Und vor allem: Wie rettet man einander?

Monster wie wir ist der erste Roman der gefeierten Dichterin und Klangkünstlerin Ulrike Almut Sandig. In funkelnder Prosa voll harter Beats schildert sie ihre Generation, geprägt von Um- und Aufbruch, von Identitätsverlust und der Suche nach Selbstbestimmung.

© Michael Aust, Villa Concordia

Ulrike Almut Sandig wurde in Großenhain geboren. Bisher erschienen von ihr vier Gedichtbände, drei Hörbücher, zwei Erzählungsbände, ein Musikalbum mit ihrer Poetry-Band Landschaft sowie zahlreiche Hörspiele. Ihre Gedichte wurden verfilmt und übersetzt, für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise. Zuletzt wurde sie 2017 mit dem Literaturpreis Text & Sprache des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet, 2018 mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.


26. NOV. 2020, 19:30 Uhr | Bodmannhaus Gottlieben (CH)
»Elbwärts« von Thilo Krause

Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch mit einer neuen Fremdheit. Der Erzähler erinnert sich: an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor. An den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Versuch der Heimkehr in ein fremdgewordenes Land. Es gibt nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, es gibt auch das Sommercamp der Neonazis, und am Misstrauen des Dorfes droht auch das Paar zu scheitern. Ein intensiver Roman über unser Land und unsere Zeit.

© Peter-Andreas Hassiepen

Thilo Krause, geboren 1977 in Dresden, lebt und arbeitet in Zürich. Seit 2005 veröffentlicht er literarische Texte in Zeitschriften (u.a. Akzente, Sinn und Form), Zeitungen (u.a. Die Zeit, Zürcher Tagesanzeiger) und Anthologien. Für seine Gedichte wurde Thilo Krause 2012 mit dem Schweizer Literaturpreis und 2016 mit dem Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg sowie dem ZKB Schillerpreis ausgezeichnet. Bei Hanser erschien 2018 sein Gedichtband Was wir reden, wenn es gewittert, für den er den Peter Huchel-Preis erhielt. 2020 erscheint sein neuer Roman Elbwärts, der mit dem Robert Walser Preis ausgezeichnet wurde.


Programm 2019

7. NOV. 2019, 20 Uhr | Bodmannhaus Gottlieben (CH)
»Hundesohn« von Sonja M. Schultz

Es ist die Geschichte von Hawk, der in einer Provinzkneipe irgendwo in Norddeutschland beim Bier sitzt, als sein roter Alfa Romeo in Flammen aufgeht, das Einzige, was ihm aus seinem früheren Leben geblieben ist. Nach Jahren im Knast und einer gescheiterten Liebe hatte er dem verteufelten Hamburger Kiez den Rücken gekehrt. Endlich ein normales Leben, endlich raus aus dem Milieu. Doch irgendjemand ist ihm jetzt auf den Fersen. Während Hawks Suche nach seinem Verfolger immer blindwütiger wird, holen ihn die eigenen Abgründe ein. Die Autorin erzählt eine Milieugeschichte von der Nachkriegszeit bis Ende der 1980er Jahre und entwirft ein Drama um vererbte Wut, Schuld und den Wunsch, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen.

Sonja M. Schultz, geboren 1975, wuchs im Hamburger Umland auf und studierte Theaterwissenschaften und Kulturelle Kommunikation in ihrer Wahlheimat Berlin. Sie schreibt über Film und Geschichte und tritt mit Spoken Word auf. Bei kampa erschien ihr Debüt 2019.

VERANSTALTUNGSORT: Bodmanhaus, Am Dorfplatz 1, Gottlieben


13. NOV, 20 Uhr | Homburger&Hepp, Konstanz (D)
»Babel« von Kenah Cusanit

1913, unweit von Bagdad. Der Archäologe Robert Koldewey leidet ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: die Ausgrabung Babylons. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich gerade ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Wie ein Getriebener dokumentiert Koldewey deshalb die mesopotamischen Schätze am Euphrat; Stein für Stein legt er die Wiege der Zivilisation frei – und das Fundament des Abendlandes. Kenah Cusanits erster Roman ist Abenteuer- und Zeitgeschichte zugleich.

Kenah Cusanit, geboren 1979, lebt in Berlin. Für ihre Essays und Gedichte wurde die Altorientalistin und Ethnologin bereits mehrfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschien ihr Debütroman Babel (2019).

VERANSTALTUNGSORT: Homburger & Hepp, Münsterplatz 7, Konstanz


19. NOV, 20 Uhr | Kult-X, Kreuzlingen (CH)
»Der Sommer im Garten meiner Mutter« von Ariela Sarbacher

MANUSKRIPT- LESUNG

Es ist ein vier Wochen langer kurzer Sommer, in dem Mutter und Tochter sich voneinander verabschieden. Die Tochter Francesca ist Schauspielerin und gewohnt, auf der Bühne verschiedene Rollen zu spielen. Konfrontiert mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit der Mutter, beginnt sie in die Geschichte ein- und abzutauchen. Es ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, geprägt vom Leben in zwei Kulturen. Der Wunsch der Mutter, in dem Land selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen, in das sie vor über fünfzig Jahren emigrierte, wird zu einem Erinnerungstrichter. Ariela Sarbacher liest aus ihrem Manuskript, das parallel lektoriert wird und gewährt uns Einblicke in die Entstehung eines Debüts. 2020 präsentieren wir Ihnen natürlich auch die Buchpremiere.

Ariela Sarbacher, geboren 1965, lebt und arbeitet nach einer Schauspielausbildung und verschiedenen Bühnenengagements als freie Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und Präsenztrainerin in Zürich. Sie übersetzt Gedichte, schreibt für ihren Blog Stadternte und ist Stimme bei zahlreichen Lesungen.

VERANSTALTUNGSORT: Kult-X, Hafenstraße 8, Kreuzlingen

28. Nov, 20 Uhr | Stadtbibliothek Konstanz (D)
»Der letzte meiner Art« von Lukas Linder

Alfred ist der jüngste Nachfahre der von Ärmels, doch die glanzvollen Zeiten der Familie sind vorbei. Neben seiner umschwärmten, aber abgedrehten Mutter, seinem genialen Bruder und seinem kauzigen Vater fühlt er sich wie eine Karikatur. Trotzdem hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine alteingesessene Familie zu neuem Ruhm zu führen. Ein Held möchte er werden. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten: Er könnte, wie sein Vorbild und Namensvetter, vierzig Franzosen erschlagen, einen Gesangswettbewerb gewinnen oder zusammen mit Ruth ein Hotel aufmachen, denn ja, die Liebe siegt immer! Doch ist Alfred wirklich zum Helden geboren? Lukas Linder entwirft einen tragikomischen Antihelden in einem abseitig unterhaltsamen Debüt.

Lukas Linder, geboren 1984 im Kanton Zürich, studierte Germanistik und Philosophie in Basel. Er ist Dramatiker, schrieb unter anderem für das Theater Basel und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Kleist-Förderpreis und dem Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts. Sein Romandebüt erschien bei KEIN & ABER 2018.

VERANSTALTUNGSORT: Stadtbibliothek Konstanz, Wessenbergstraße 39 – 43